Vorbereitungen

Eine Verschiffung muss gut geplant sein, denn nicht nur das Auto muss für das kommende Abenteuer bestens gerüstet sein sondern auch ein Unternehmen für die Verschiffung muss gefunden werden, sowie die Art der Verschiffung. RoRo (Roll on, roll off d.h. auf eigener Achse) oder Container? – Da Karl mit seinen 2,40m Höhe ein ziemlich großer Bursche ist und nur ein High-Cube-Container in Frage kommen würde (was doch etwas teurer ist), entschieden wir uns für eine RoRo-Verschiffung mit der Firma Caravan-Shippers.

Die kosten betrugen in unserem Fall 2100 € sowie ein Treibstoffzuschlag der Reederei von 205€. Die Überfahrt dauerte circa 4 Wochen inklusive den üblichen Schwankungen von Bremerhaven nach Durban. Zwischenhalte gab es in England, Frankreich, Spanien und Marokko.

Für die Einreise in Afrika braucht es zum einen ein BoL, ein Verschiffungsdokument der Reederei und ein Carnet de Passage. Bei dem „Carnet“ handelt es sich um ein Dokument für temporäre, zollfreie Einführung des Fahrzeuges, für das im Land der Ausstellung eine Sicherheitsleistung hinterlegt wird – in unserem Fall 5000€. Das Geld erhält man zurück sofern das Carnet korrekt geführt wieder in Deutschland abgeben wird und das Auto wieder in Europa eingeführt wurde.

Des Weiteren wird empfohlen am Zielhafen noch einen Agenten vor Ort zu haben, welcher die Einführung und Verzollung betreut. 

Da unsere Fahrerkabine, wie bei einem „normalem“ Wohnmobil direkt mit der Wohnkabine verbunden ist haben wir erst überlegt eine Sicherheitswand einzuziehen. Man hat uns jedoch versichert, dass dies nicht notwendig sei. Man solle jedoch alles sichtleer einräumen – was wir auch taten!

 

Start der Reise

Am 30.11.2019 ging es für Karl endlich nach Bremerhaven, von wo aus eine Woche später die Amsterdam der Reederei Hoegh nach Afrika ausgelaufen ist. 

Voller Aufregung bestritten wir gemeinsam mit einem Freund die letzte Fahrt mit Karl auf deutschem Boden.

Nach wie vor konnten wir es noch nicht begreifen, dass er uns bald verlässt und wir ihn erst in Afrika wieder sehen werden.

Die Übergabe am Hafen ging zügig vonstatten. Hinter einem kleinen Drahtzaun haben wir ihn abgestellt und die Türen mit einem „nicht öffnen“ Siegel versehen, in der Hoffnung, dass unser Auto auch unversehrt in Durban ankommt.

Verfolgen lies sich die Amsterdam hervorragend mit einer Schiffstracker App, wodurch wir mit Gewissheit jederzeit den Standort von Karl kannten.

Leider gab es gleich zum Beginn der Überfahrt eine kleine Verzögerung in Frankreich, wo das Schiff ungeplant 5 Tage an Land lag.

Am 06.01.20 haben wir endlich die lang ersehnte Nachricht von unserem Kontaktmann bekommen, dass das Schiff um 2 Uhr morgens im Hafen angelegt hat.

Letztendlich hat das Abladen der ganzen Autos doch etwas länger gedauert als gedacht, sodass Karl für den Zoll erst am 07.01. angemeldet werden konnte. Anschließend erfolgte die Freigabe durch den Hafen innerhalb von 24h, was bedeutete am 8.01.2020 durften wir ihn endlich abholen!

Das Wiedersehen

Um 8:00 Uhr Morgens haben wir den erlösenden Anruf bekommen, dass wir um 10 Uhr bei unserem Kontaktmann eintrudeln dürfen um gemeinsam zum Hafen zu fahren. Die Aufregung war riesig, da noch ungewiss war in welchem Zustand wir Karl entgegennehmen werden und ob irgendwas fehlt. Endlich angekommen im Hafen, war es gar nicht so einfach von den Mitarbeitern zu erfahren zu welchem Bereich wir nun müssen um unser Auto abzuholen. Wir wurden mehrfach von einer Seite des Hafens zur anderen geschickt. Keiner konnte (wollte?!) und so recht helfen – was die Ungeduld natürlich noch viel größer gemacht hat!

Nach einer nervenaufreibenden Zeit sind wir dann endlich am richtigen Ort im Hafen angekommen, „schnell“ noch den Papierkram erledigen und wir können unser Auto endlich wieder in die Arme schließen. Schnell ist die Bürokratie in Südafrika leider nie, aber so kurz vor dem Ziel haben wir uns nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen.

Um 12:50 standen wir nun gebannt im Abholbereich und warteten auf Karl. Leider hatte er ein paar Startschwierigekeiten, da die Batterie nach fast 5 Wochen zu leer war und überbrückt werden musste.

Dann endlich bog Karl um die Ecke und das Warten hatte ein Ende. Schon beim einbiegen erkannten wir jedoch durch die Fenster der Kabine, dass die Stauboxen aus den Schränken heraushingen. Als wir kurze Zeit später ins Innere sahen waren wir einfach nur entsetzt. Das ganze Auto wurde durchgewühlt, die Schränke aufgerissen, die Polster hochgeklappt, Kissenbezüge abgezogen, der Inhalt der Schränke auf dem Boden verteilt und die Cubby-Box aufgebrochen. So viel zum Thema eine Wand zwischen Fahrerhaus und Kabine täte nicht not!

Die Versicherung wurde noch im Hafen kontaktiert und über die Hafensecurity einen Bericht angelegt. Anschließend wollten wir nur noch weg aus dem Albtraum.

Je mehr Kilometer zwischen uns und dem Hafen lagen, desto mehr Ruhe fanden wir. Am nächsten Tag wurde uns das Ausmaß des Schaden dann klar, als wir die fehlenden Teile für die Versicherung dokumentierten. 

Es stellt sich heraus, dass nicht nur ein paar Kleinigkeiten fehlten. Leider haben die Diebe ordentlich Beute gemacht. Unter anderem fehlen Bohrmaschine sowie div. Werkzeuge, Messer, Besteck, Nanocom, Kleidung, Schuhe, Jacken, jegliche Lampen oder Kabel die lose im Wagen lagen, uvm. Letztendlich alles was einen Verkaufswert hat und nicht fest verschraubt war.

Der Gesamtschaden beträgt ca. 4000€, das hat sich für die Diebe definitiv gelohnt.

Jetzt heißt es für uns nur noch die Antwort der Versicherung abwarten und Südafrika genießen!

 

Denn dieses wunderschöne Land gleicht alle schlechten Erfahrungen wieder aus.

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